Merit-Amun, Tochter und Große Königliche Gemahlin Ramses II.


Titel und Namen Merit-Amuns
Titel: Königstochter, leibliche Königstochter, Königsgemahlin, Große Königliche Gemahlin, Herrin der beiden Länder, Herrscherin von Ober- und Unterägypten

Merit-Amun war nach Ausweis der Prinzessinnenliste von Abu Simbel die vierte Tochter Ramses II. und nach der Darstellungen an der Front des kleinen Tempels von Abu Simbel das dritte Kind der GKG Nefertari. Dort erscheint sie im Kreis ihrer Vollgeschwister, die nicht wie sonst üblich nach Geschlechtern getrennt, sondern in Abgleich mit den Prinzen- und Prinzessinnenlisten der Reihenfolge ihrer Geburt nach, jeweils rechts und links vom Eingang und spiegelbildlich zueinander angeordnet abgebildet wurden. Danach ergibt sich folgende Reihenfolge: Amunherchepeschef, Paraherwenemef, Merit-Amun, Henuttaui, Meri-Re und Meri-Atum. Man stelle fest, daß Nebettaui dabei fehlt, was die Vermutung, daß es sich bei ihr gar nicht um eine Tochter Nefertaris handelt, bestätigt.

 

  Die Königinnenstatue von Achmim, die Merit-Amun darstellen soll
Achmim
© Gitta Warnemünde
 

Belegt ist Merit-Amun außer durch die bereits genannte Prinzessinnenliste im großen Tempel von Abu Simbel durch ihr Grab QV 68 im Tal der Königinnen als auch durch einige Darstellungen, die sie an der Seite ihres Vaters zeigen. Als eines ihrer Einzeldenkmäler ist eine gut 11 m hohe Kalksteinstatue zu nennen, die Anfang der 80er in Achmim entdeckt wurde. Nur unweit ihres Fundortes förderte man Fragmente einer ebenso monumentalen Plastik Ramses II. zutage, die einst mit der Statue der Königin zusammen den Eingang zum Mintempel flankierte. Bei genauerer Betrachtung der Königinnenstatue stellt sich die Frage, ob die Statue anhand stilistischer Merkmale nicht der 18. Dynastie zuzuordnen ist und später während der Herrschaft Ramses II umgearbeitet wurde. Die Form des Gesichtes, die schräg gestellten Mandelaugen und die Zeichnung der Lippen könnten auf die Zeit vor Amarna verweisen, was schon von Gaballa Ali Gaballa aufgeworfen wurde (Link zu Al-Ahram Weekly). Die Plastik weist zum einen eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bildnis der Königin Teje auf, das im Januar 2006 im Muttempel von Theben aufgefunden wurde, und zum anderen gleichen die Gesichtszüge der Statue und ihr mildes Lächeln denen der Statuen der Göttin Mut vom Ende der 18. Dynastie, z.B. dem Abbild der Göttin der Diade im Museum von Kairo (aus Karnak, Regierungszeit Haremhabs). Ebenso enstpricht die 2004 in Achmim entdeckte 13 m hohe Sitzfigur, die Ramses II. zeigen soll, nicht wirklich den bekannten Abbildungen des Herrschers. Ähnliche Kriterien wie die schon genannten lassen eine Datierung der Plastik in die zweite Hälfte der 18. Dynastie zu. Auch der Standort, wo noch weitere Relikte aus dieser Zeit entdeckt wurden, spricht dafür, daß es sich hierbei ursprünglich um Monumente Amenophis III. und seiner Gemahlin gehandelt haben könnte: zum einen stammte Teje aus Achmim und zu anderen usurpierte Ramses II. bevorzugt Denkmäler dieses Herrschers der 18. Dynastie.

 

 
Titel mit Resten einer Kartusche - Sockel der Statue von Achmim
Die Inschrift am Originalsockel der Königinnenstatue von Achmim - © Gitta Warnemünde


Die von ihm geliebte, leibliche (Königs)tochter, die Große Königliche Gemahlin
Reste einer Kartusche noch erkennbar, die Inschrift ist leider zerstört

Der Rückenpfeiler der Königinnenstatue soll hingegen nicht wieder beschriftet worden, sondern der aus der 19. Dynastie stammende Text der originale sein. Dieser soll angeblich -je nachdem, welchem Bericht man Glauben schenken möchte- entweder die Kartusche Ramses II. oder Nefertaris aufweisen, die ich aber nach den mir vorliegenden Fotos nicht erkennen kann. Es zeichnet sich der Trend ab, grundsätzlich jedes anonyme Bildnis einer Königin ramessidischer Zeit Merit-Amun zuzuschreiben, obwohl diese Identifizierungen durch die fehlenden Namensangaben als nicht gesichert erscheinen dürfen und ebenso andere Gemahlinnen Ramses II. in Betracht gezogen werden können. Bei der kolossalen Königinnenfigur, die in Bubastis zu besichtigen ist, soll es sich um Merit-Amun handeln, wobei aber auch schon Nefertari und Isisnofret diskutiert worden sind. So will z.B. Kitchen in der berühmten Weißen Königin die Mutter Ramses II., Tuja, erkennen (KRI II, 845 n.13a), erklärt aber in RITA II, daß die Plastik ebenso Merit-Amun darstellen könnte, was zeigt, wie problematisch eine eindeutige Zuweisung an eine bestimmte Königin Ramses II. sein kann.

 

  Die sogenannte Weiße Königin
Quelle: Internet, unbekannter Photograph
 

Bei der Weißen Königin handelt es sich um eine 75 cm hohe Kalksteinstatue, die in einer Ziegelkapelle nördlich der Magazine des Ramesseums 1896 bei einer Grabung von Sir W.M.F. Petrie entdeckt wurde und sich heute in Kairo (JE 31413) befindet. Die Königin trägt eine dreiteilige Perücke mit gestaffelten Löckchen, darüber ein breites Band mit Doppeluräus und einen Uräenmodius. Ihr breiter Halskragen wird von fünf Reihen mit nfr-Zeichen und einer Abschlußreihe tropfenförmiger Perlen gebildet. In der Linken hält sie eine Menatkette, die als Rassel im Kult der Hathor Verwendung fand. Auf dem Rückenpfeiler ist folgende Inschrift zu lesen: "(Große des xnr-Harems) des Amun-Ra, Sistrumspielerin der Mut, Menat (der Hathor......Tšnzerin des Horus....)" (nach RITA II, 845:10). Falls die Zuweisung an Merit-Amun korrekt ist, so trat die Prinzessin als älteste Tochter der ersten Großen Königlichen Gemahlin anscheinend in die Fußstapfen ihrer Mutter und war diesen Titeln nach zu urteilen im Kult des Amun und der Mut in Theben tätig. Ob sie wie diese bzw. wie ihre Groß- und Urgroßmutter väterlicherseits als Gottesgemahlin diente, ist nicht belegt.

 
 

Wann Merit-Amun verstarb, ist unbekannt. Sie wurde in ihrem Grab QV 68 im Tal der Königinnen bestattet, in dem sich Fragmente ihres Sarkophages aus rotem Granit befanden. Die Anlage ähnelt im Grundriß der von QV 66 bzw. QV 80, ist aber wesentlich einfacher gehalten. Das unten gezeigte Portrait der Königin stammt aus ihrem Grab und wurde von Lepsius in Denkmäler III, 172 veröffentlicht:


Grabrelief nach einer Zeichnung von Lepsius


Herzlichen Dank an Gitta Warnemünde für die Bereitstellung einiger ihrer Fotos!