Das Grab: KV 7


Zur Lage:

Das Grab Ramses II liegt im berühmten Tal der Könige (Biban oder Wadi el-Muluk) in Theben-West und zwar am Eingang des Haupttales an dessen Westseite gegenüber von KV 6, dem Grab Ramses IX.

Der Ort war recht ungünstig gewählt, liegt er doch an einer tiefen Stelle des Talkessels, was bei den alljährlichen Regenfällen, deren Wassermassen sich dann sturzbachartig von den Felsen ergießen und Geröll und Schlamm mit sich reißen, zu einer Katastrophe führte.
Das Wasser sammelte sich in den Räumen der tiefer liegenden Grabanlagen, drang durch das ohnehin schon poröse Gestein der umliegenden Felsen und machte die Decken und Wände instabil.
Außerdem füllten sich die Räume und Korridore mit dem Schutt, den die Wassermassen mit sich führten und der zu einer harten und schwer zu beseitigenden zementartigen Masse erhärtete.


Die Geschichte des Grabes

Das Grab Ramses II gehörte zu den seit der Antike bekannten und geöffneten Königsgräbern im Tal. Verschiedene Ausgräber machten sich im Laufe der Zeit daran, die Geröllmassen aus dem Grab wegzuschaffen, mussten aber ihr Vorhaben aufgrund der fehlenden technischen bzw. finanziellen Mittel vorzeitig aufgeben, andererseits konnte man bei einem offenstehenden Grab auch kaum auf einen wertvollen Fund hoffen, der die ganze Plackerei lohnen würde.
Die einzige nennenswerte Grabung ist die des Briten Harry Burton 1913/4 im Auftrag des Amerikaners Theodore Davis, der ebenso den ruinösen Zustand von KV 7 feststellen musste.
Nach Beendigung von Burton's Kampagne richteten weitere heftige Regenfälle wiederum starke Schäden im Tal der Könige an - auch Howard Carter, der das Grab später besuchte, war der Meinung, daß in KV 7 keine Funde mehr zu erwarten seien bzw. daß das Grab dem Verfall preisgegeben war.
Erst jetzt -seit Beginn der 90er Jahre- laufen die Rettungsmaßnahmen für KV 7 unter der Leitung von Christian Leblanc an.


Die Anlage

Das Grab Ramses II ist schätzungsweise mehr als 820 qm groß, die Gänge führen ca. 100 m tief in den Felsen hinein.


Wie der Grundriß zeigt, handelt es sich bei KV 7 um ein Grab mit geknickter Achse, ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern, deren Grabanlagen gerade Achsen aufweisen, eine architektonische Neuerung, die durch Amenophis IV/Echnaton eingeführt worden war.
Manche Ägyptologen sehen darin ein deutliches Indiz für die Abkehr Ramses II von den Relikten der Amarnazeit, andere vermuten, daß die Arbeiter Unregelmäßigkeiten im Gestein ausweichen mussten.
Wie dem auch sei, die Anlage weist sowohl konservative als auch moderne, neue Architekturelemente auf. Die Korridore entsprechen mit einem quadratischen Querschnitt von 5 x 5 ägyptischen Ellen (um 2,61 m) dem Standard, ebenso wie die Höhe der Türen mit ca. 1,99 - 2,10 m.
Bauliche Erweiterungen, unter Sethos I eingeführt, wie z.B. die gewölbte Decke im unteren Teil der Sargkammer, zusätzliche Pfeiler in den Nebenräumen oder die vollständige Dekoration des Grabes mit erhabenem Relief (bis auf die Decken) übernimmt Ramses II, lässt aber die Grabkammer so gestalten, daß sich ein dreischiffiger Raum mit überwölbtem Mittelschiff ergibt. Die seit Amenophis II konstante Anzahl der Pfeiler in der Sargkammer, sechs an der Zahl, wird auf acht erhöht.


Beschreibung der einzelnen Elemente

Der Eingang

Der Türsturz ist mit einem kaum noch erkennbaren, einst bemalten Relief dekoriert, das die von Isis und Nephthys flankierte Sonnenscheibe zeigt.

       
li: Eingang zu KV 7 - re: Nephthys-Detail vom Türsturz

Zum Vergleich das Relief mit der guterhaltenen Bemalung
vom Grab Merenptahs

Rechts und links des Durchgangs, d.h. schon im Grab selbst, ist die Göttin Maat dargestellt, auf den Wappenpflanzen Ober- und Unterägyptens knieend und ins Grabinnere blickend.
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Die Gottesgänge, die Pfeilerhalle und die Vorkammer

Man betritt nun eine Flucht von Treppen und Korridoren - den sogenannten Gottesgängen, die in einem Winkel von etwa 15 ca. 70 m tief in den Felsen (thebanischer Kalkstein) hineinführen, dann knickt die Achse nach rechts ab.
Die Wände des ersten Korridors zeigen den König vor Re-Harachte sowie das Titelbild des Buches der Anbetung Res im Westen (die Sonnenlitanei): eine Sonnenscheibe mit Skarabäus und widderköpfigem Gott, deren Abstieg in die Unterwelt feindliche Wesen vertreiben.
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links: Ausschnitt-der König vor Re-Harachte
rechts: Ausschnitt-Titel der Sonnenlitanei

Der Text der Sonnenlitanei, die in 75 Anrufen die 74 Gestalten des Sonnengottes Re beschwört, setzt sich bis zum Anfang des zweiten Korridors fort und läuft dann auf der gegenüberliegenden (rechten) Seite bis zum Grabeingang zurück.
Daran schließen sich Ausschnitte aus dem Amduat, des wohl bedeutendsten Unterweltbuches an, das die Duat (schlicht mit Unterwelt oder Jenseits übersetzt) in zwölf Nachtstundenbereiche (die sich wiederum in drei Register gliedern, von denen das mittlere ausschließlich der Darstellung der Sonnenbarke gewidmet ist) unterteilt und die Stätten beschreibt, die der Sonnengott auf seiner nächtlichen Reise besucht. Hier im Grab Ramses II findet man an dieser Stelle nun Texte und Szenen der vierten und fünften Nachtstunde, dem Reich des Gottes Sokar gewidmet, ein Ödland, in dem es vor gefährlichen Schlangen und anderen unheilvollen Wesen nur so wimmelt und die der Sonnengott immer wieder beschwören muß, ihn in Frieden ziehen zu lassen, denn er tiefer er in das Reich des Sokar eindringt und hinabsteigt, desto größer werden die Gefahren, die auf ihn lauern.

Man gelangt nun zum sogenannten (6 m tiefen) Brunnenschacht, dessen Reliefs und Malereien den König im Umgang mit verschiedenen Göttern zeigen.


Pharao Ramses II
Abbildung im Brunnenschacht

Bevor sich nun die Korridore fortsetzen, durchquert man die obere Pfeilerhalle mit je zwei Pfeilern rechts und links der Achse, deren Wände mit den Texten des Pfortenbuches geschmückt sind, einem jüngeren Unterweltsbuch (seit Haremhab belegt), dessen Einteilung der Unterwelt in zwölf Nachtstundenbereiche dem Amduat ähnelt, zwischen diese jedoch Tore mit den dazu gehörenden Wächtern einschiebt und dessen Szenen im Vergleich mit denen des Amduat wesentlich einfacher und schematisierter gestaltet sind.
Außerdem findet man in diesem Raum einen Osirisschrein, ähnlich dem in KV 5 und leider in einem sehr schlechten Erhaltungszustand.
Rechts gehen zwei hintereinander liegende Seitenkammern ab, von denen die erste, größere ebenfalls vier Pfeiler aufweist. Die Dekoration dieser beiden Kammern ist leider vollständig zerstört, wahrscheinlich handelte es sich -wie bei Sethos I- um Ausschnitte aus dem Amduat (neunte bis elfte Stunde).
Zwei weitere Korridore mit Illustrationen des Ritus der Mundöffnung und Opferlisten führen zur Vorkammer, deren Wände mit Texten und Szenen des Kapitels 125 des Totenbuches (eine der Innovationen der Dekoration!) bedeckt waren: einem Spruch, Der zu sprechen ist, wenn man zu dieser Halle der vollständigen Wahrheit gelangt, den Verstorbenen von allen bösen Handlungen zu befreien, die er begangen hat, das Angesicht der Götter zu schauen, d.h. dem sogenannten Negativen Sündenbekenntnis, mit dem sich der Verstorbene an das Totengericht und seine 42 Beisitzer wendet, um sie von seiner Reinheit und gottgefälligen Lebensweise zu überzeugen:
'...Ich habe keinen Gott beleidigt. Ich habe keine Waise an seinem Eigentum geschädigt. Ich habe nicht getan, was die Götter verabscheuen. Ich habe keinen Diener bei seinem Vorgesetzten verleumdet. Ich habe nicht Schmerz zugefügt und hunger lassen. Ich habe keine Tränen verursacht. Ich habe nicht getötet und ich habe auch nicht zu töten befohlen; niemandem habe ich ein Leid angetan...' usw.

Hier knickt nun die Grabachse nach rechts ab: man betritt die Grabkammer.


Die Grabkammer und ihre Nebenräume

Bei der Grabkammer handelt es sich wieder um eine große Pfeilerhalle mit acht Pfeilern, die quer zum Eingang stehen. Zwischen den Pfeilerreihen, also im Mittelteil des Raumes, ist das Bodenniveau abgesenkt: hier stand einst der prächtige und vollständig mit Texten des Pfortenbuches beschriftete Alabastersarkophag Ramses II, von dem man bislang über 500 Fragmente unterschiedlichster Größe gefunden hat.


Fragment des anthropomorphen Alabastersarkophags Ramses II

Die Decke des Mittelschiffes ist überwölbt und war mit Darstellung von Sternbildern bemalt, statt der vor Sethos I üblichen gelben Sterne auf blauem Grund.
Die Wände der Halle geben die Texte des ersten und zweiten Abschnittes des Pfortenbuches und des Amduats wieder, die den Sonnenuntergang und den Eintritt der Sonnenbarke in das fruchtbare Wernes-Gefilde schildern.

Die acht unterschiedlich großen Seitenkammern, die teilweise von der Grabkammer aus betreten werden konnten, sind sehr stark zerstört und beschädigt. Reste der Dekoration lassen auf das Amduat, das Pfortenbuch und das Buch der Himmelskuh schließen, das ebenfalls zu den jüngeren Schriften des Korpus der Grabtexte zählt und zum ersten Male auf dem äußersten Schrein Tutanchamuns erscheint. Der bekannte Mythos von der Vernichtung des Menschengeschlechts durch das von Re gegen die rebellische Menschheit entsendete Horusauge als Hathor ist Teil dieses Buches, das im wesentlichen den Aufbau des Himmels als Thema hat und dessen Schluß von den Bas der Götter und der Entstehung der Zeit erzählt.

Die vier vorderen, kleinen Kammern stellten wahrscheinlich die Schatzkammern zur Rechten und zur Linken des Königs (laut Kitchen) dar und bargen u.a. Uschebtis und andere wertvolle Grabbeigaben, von denen leider so gut wie gar nichts erhalten bzw. gefunden worden ist.
Von der rechten der beiden hinteren großen Pfeilerhallen geht ein weiterer Raum ab: hier sind die Kanopen des Königs aufbewahrt worden, man hat Reste des Kanopenkastens aus Alabaster gefunden sowie eine Vertiefung im Boden, wo der Kanopenkasten eingelassen war.
Bilder dazu findet man HIER bei der Website Nouvelles fouilles thébaines, ebenso wie viele interessante Infos rund um KV 7, allerdings auf französisch!

Von dort aus betritt man noch eine Kammer mit zwei Pfeilern, bei dem Text an den Wänden handelt es sich um Kapitel 110 des Totenbuches, das des Opfergefildes, der u.a. das Pflügen und Ernten auf den Feldern des Jenseits durch den Verstorbenen zeigt.


Funde

Im großen und ganzen sind gut erhaltene Stücke aus dem Grabschatz Ramses II eher selten, die Überreste finden sich in den verschiedensten Museen der Welt.


Uschebti Ramses II aus Bronze
image courtesy by T. Wegener

Dieser älteste erhaltene Bronzeuschebti überhaupt gehört heute zur Sammlung des Berliner Museums, andere (hölzerne) Uschebtis sind in Brooklyn zu bewundern.
Fragmente aus verschiedenen Materialien (von Statuen und Gefäßen) und Holzsplitter wurden zu allen Zeiten ans Tageslicht befördert, sie allein geben uns den Hauch einer Ahnung, wie umfangreich die Ausstattung eines so mächtigen und reichen Herrschers wie Ramses II ausgesehen haben mag...


Mehr zu KV 7 gibt es auf der Website des Theban Mapping Projects
(besonders neue Bilder vom Grabinnern,
die ich hiermit wärmstens empfehlen möchte!